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Erinnerungen an Ervin Bossányi


Im alten Dorfgemeinschaftshaus befinden sich die beiden Wandreliefs des ungarischen Künstlers Ervin Bossány.


Wer das Dorfgemeinschaftshaus in Hartenholm besucht, dem fallen links an der Wand zwei Reliefs auf. Sie zeigen eine Kuh und eine Melkerin. Zwei Motive, die dem dörflichen Charakter des Ortes entsprechen. Doch woher kommen diese beiden Kunstwerke? Wer hat sie geschaffen? Und wie sind sie in das Dorfgemeinschaftshaus gekommen? Spannende Fragen, die sich erstmals vor einigen Jahren Marius Neuhaus gestellt hat und sich anlässlich der KulTour 2019 auf Spurensuche begeben hat.

Er fand heraus, dass diese „Kunst am Bau“ ursprünglich das Meiereigebäude in Bad Segeberg schmückte. Als es abgerissen wurde, spendete die Meierei das Kunstwerk der Hartenholmer Meierei. Wo heute die Raiffeisenbank ihren Sitz hat, befand sich früher die örtliche Meierei. An der Aussenseite des Gebäudes waren die beiden Kunstwerke eingearbeitet. Erschaffen wurde das Werk in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts von dem ungarischen Künstler Ervin Bossány (1891 bis 1975), der zu den bedeutenden Glasmalern des 20. Jahrhunderts zählte. Werke von ihm sind in mehreren europäischen Ländern bis heute zu sehen.

Der Lebensweg des jüdischen Künstlers war typisch für seine Zeit. Er verließ kurz vor dem ersten Weltkrieg seine Heimat, um in Paris zu studieren. Dort wurde er mit Kriegsbeginn interniert und kam nach der Lagerzeit 1919 für zehn Jahre nach Lübeck. Hier lernte er seine spätere Ehefrau kennen und schuf eine Vielzahl von Wandreliefs, Figuren und Fresken, viele mit spirituell-symbolischen Motiven, unter anderem ein Gemälde der Stadtbibliothek Lübeck im Jahr 1926. Dieses Bild wurde später, während der Nazi-Herrschaft, übermalt. Bossányis Stil galt unter den Nazis als entartete Kunst. Für Bad Segeberg schuf der gebürtige Ungar die Brunnenfigur der „Gänseliesel“, die heute noch an der Kurhausstraße zu sehen ist.

Sein vielfältiges künstlerisches Werk umfasst Bronzefiguren und -leuchter, Bilder, wie die „Lichtanbeterin“ oder „Der Traum“ und Skulpturen. Unter anderem schuf er für die Margarinefabrik Voß in Hamburg Barmbek, wo das Gebäudeteil auch heute noch mit dem historischen Eingangsportal existiert, zwei Skulpturen. In den Wandnischen sind die Figuren eingesetzt: ein Angestellter und ein Arbeiter, signiert von Bossányi. In der engen Zusammenarbeit mit dem bekannten Architekten und Stadtplaner Fritz Schumacher hinterließ Bossány in der Hansestadt seine künstlerischen Spuren.

1934 musste Bossány Deutschland mit Frau und Sohn verlassen. Er emigrierte nach England. Dort dauerte es bis zum Anfang der 1950er Jahre, bis er wieder als Künstler Fuß fassen konnte. Dann aber widmete er sich bis zu seinem Tode der Glasmalerei, die unter anderem im Albert und Victoria Museum in London, in der Kathedrale Canterbury oder dem York Minster zu sehen sind.

Nun soll in naher Zukunft das Dorfgemeinschaftshaus überarbeitet und umgebaut werden. „Es kann sein, dass die Reliefs an dieser Wand verschwinden müssen“, erklärt Elfi Saupe, 2. Vorsitzendes des Kultur- und Öffentlichkeitsausschusses. „Wir überlegen, wo wir das Kunstwerk zukünftig präsentieren können und möchten es für die Zukunft bewahren.“