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Zentralgasthof wird jetzt abgerissen



Kurz vor Weihnachten zeigten Bagger und Absperrgitter an, dass der traditionelle Zentralgasthof in der Mitte unseres Dorfes dem Abriss geweiht ist. Das 100 Jahre alte Gebäude, in dem Gustav Lensch im Jahr 2021 eine Schankwirtschaft eröffnet hatte, wird in den Wochen vor und nach Jahresende abgerissen. Ein Unternehmen aus Kisdorf ist zurzeit mit mehreren Mitarbeitern beschäftigt, das Gebäude Zug um Zug abzureißen und dabei gleich die Bestandteile sachgerecht zu sortieren und zu entsorgen.

Als Gast- und Logierhaus mit Durchfahrt, Ausspann, Tanzsalon und Kegelbahn hatte Lensch das markante Gebäude 1921 am Dorfplatz errichtet. Dieses wurde schnell über die Ortsgrenzen hinaus bekannt für Geselligkeit und gute Küche, die später seine Schwiegertochter Gudrun Lensch auch für Großgesellschaften meisterhaft beherrschte. „Nahezu jede Hartenholmerin und jeder Hartenholmer verbindet besondere Erlebnisse mit dem Traditionshaus“, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Panten. Nach dem zweiten Weltkrieg diente es beispielsweise den Turnern des Sportvereins als Sportstätte. Im Saal wurden Barren und Reck aufgebaut, damit die „Herren ihren Leib ertüchtigen konnten“. Die Reckstange ist bis heute erhalten und wurde für das Dorfarchiv gesichert.

Weihnachtsbälle, Erntefest, Kindertanz nach dem Vogelschießen oder Jahresversammlungen von Vereinen und Feuerwehr füllten über Jahrzehnte den großen Saal. „Besonders gern erinnere ich mich an die große Modenschau zum 75jährigen Jubiläum des TuS“, sagt eine ehemalige Hartenholmerin, die von Köln aus heute die Entwicklung im Dorf verfolgt. Sie schickte gleich ein paar alte Postkarten an Bürgermeister Panten, als dieser seine Mitbürger*innen im Ortsblatt „Wir in Hartenholm“ darum bat, alte Fotos bei ihm einzureichen.

Eigentlich sollte der Abschied vom Gebäude mit einer kleinen Ausstellung und Feier verbunden werden. Die Planungen wurden durch die Pandemie zerstört. „Aber kleine Erinnerungen wollen wir auf jeden Fall festhalten“, versichert der Bürgermeister und fragt weiterhin nach Fotos, die im Zusammenhang mit dem Traditionsgebäude stehen. „Und eine Feier wird es dann spätestens geben, wenn auf dem Platz etwas Neues entsteht“, verspricht Karl-Heinz Panten.

Nachdem Familie Lensch den Betrieb vor etliche Jahren verkauft hatte, war die Gaststätte durch mehrere Hände gegangen. Immer verbunden mit kleineren Umbauten. Zuletzt lohnte sich der Betrieb durch veränderte Feiergewohnheiten der Einwohner nicht mehr. Der Besitzer, eine Hamburger Immobilienfirma, ließ den Zustand des Gebäudes untersuchen mit dem Urteil: „Der Erhalt ist unmöglich, die Substanz des Hauses marode“. Haus und das 1600 Quadratmeter große Grundstück kaufte nach zähen Verhandlungen die Gemeinde, da sie über das Gebiet des Ortskernes eine Veränderungssperre erlassen hatte. Dadurch sollte ermöglicht werden, im Rahmen des Dorfentwicklungsplanes Mitsprache über die künftige Bebauung zu erhalten.

Denn die Mitglieder der Gemeindevertretung sind sich einig. Die Dorfmitte soll dem in den 1960er Jahren schönsten Dorf des Landes angemessen gestaltet werden. Dazu gehört eine zukunftsgerichtete Bebauung, die möglichst allen Altersgruppen in der Gemeinde gerecht werden soll. „Ideen gibt es viele, im neuen Jahr suchen wir Investoren, die mit uns etwas entwickeln möchten“, blickte Bürgermeister Panten voraus.