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Koordinator für Flüchtlingsarbeit


Koordinator Bernd Birkholz (von links) bietet drei Mal in der Woche im Gemeindebüro eine Sprechstunde für Migranten an. Er ist seit einem Monat in Hartenholm als Koordinator der Flüchtlingshilfe angestellt. Sylvester Edo und Johnbull Momodou aus Nigeria suchten Rat bei dem pensionierten Lehrer. Foto: Panten


Nach einigen Monaten vergeblichen Bittens im Amtsausschuss hat die Gemeindevertretung Nägel mit Köpfen gemacht. Für die Koordinierung der Flüchtlingshilfe für die Bewohner im Robinienhof wurde zum 1.Mai eine Stelle im eigenen Etat eingerichtet. Die ehrenamtlichen Helfer für die Migranten hatten darum gebeten, entlastet zu werden. „Wir machen die Arbeit gern, aber es sind nicht nur unsere Flüchtlinge“, hatten die Aktiven in einem Brief an den Amtsausschuss der sechs Gemeinden im vergangenen Jahr geschrieben und ihr Anliegen auch persönlich formuliert. Eine Antwort steht noch aus.

Der jetzt mit gut acht Stunden Arbeitszeit pro Woche eingestellte 68-jährige Bernd Birkholz ist schon seit fünf Jahren für Geflüchtete tätig. Bereits 2015 gehörte er dem Helferteam an, das sich anlässlich der Flüchtlingswelle um die im Robinienhof aufgenommenen Menschen kümmerte. Das Amt Kaltenkirchen-Land hatte das ehemalige Seniorenheim angemietet, um Unterbringungsmöglichkeiten für die vielen Migranten aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak zu haben. Seit einem Monat nun ist der pensionierte Realschullehrer und Lerntherapeut fest angestellt – bei der Gemeinde.

Nach der erneuten Zuweisung von Bewohnern für den Robinienhof im Herbst vergangenen Jahres im Amtsausschuss hatte auch Bürgermeister Karl-Heinz Panten dafür geworben, auf Amtsebene einen Koordinator einzustellen, hatte aber auch Monate nach der Neubelegung des Hauses keine Mehrheit gefunden. 2016 hatte es für die in Alveslohe, Lentföhrden, Schmalfeld und Hartenholm untergebrachten Flüchtlinge sogar zwei Betreuer mit jeweils einer dreiviertel Stelle gegeben. Ein Arbeitsplatz lief nach einem Jahr aus, der zweite zwölf Monate später. Die Arbeit vor Ort ruhte danach allein auf den Schultern der verschiedenen Helferkreise. Im Gegensatz dazu beschäftigen das Amt Bad Bramstedt-Land einen festangestellten Koordinator auf 30 Stunden-Basis, das Amt Kisdorf sogar als Ganztagskraft.

Mit Einkaufsfahrten sowie Deutschunterricht setzte sich Bernd Birkholz seit Anbeginn für die Integration ein. Den damals rund 20 aktiven Helfern gelang es, für etliche Geflüchtete Wohnungen in Hartenholm, Kaltenkirchen, Bad Segeberg oder Umgebung zu finden. Kinder gehen in Tagesstätte und Schule. Zwei Jugendliche konnten in eine Berufsausbildung vermittelt werden, Erwachsene in verschiedene Arbeitsstellen.

Bis Mitte vergangenen Jahres war der Robinienhof fast leer, die Arbeit aber für die immer weniger aktiven Ehrenamtlichen nicht beendet. Dann gab es etliche Neubelegungen, hauptsächlich mit jungen Männern aus Afrika. Behördengänge, das Ausfüllen von Papieren, das Beschaffen von Kleidung und Ausrüstungsgegenständen, der Sprachunterricht oder die Begleitung zu ärztlichen Untersuchungen gingen von vorne los. „Zum Glück haben wir 12 Ehrenamtler, die unverdrossen die schwierigen Aufgaben anpacken und mit den Bewohnern bei Behörden vorsprechen, sich um Hausaufgabenhilfe kümmern, Praktika besorgen oder Wohnraum anfragen“, lobt Bürgermeister Panten.

Trotzdem reicht der Aufwand nicht, um allen Hilfesuchenden gerecht zu werden, denn die meisten Ehrenamtler sind selbst berufstätig. Im Robinienhof leben derzeit 25 Personen, darunter drei obdachlose Deutsche. Dazu kommen fünf Familien mit 20 Personen in den in Hartenholm angemieteten Wohnungen. Außerdem ein Geflüchteter aus dem Jemen, der seit fünf Jahren von seiner in Norwegen lebenden Familie getrennt ist. Er konnte jetzt in das Feierabendwohnheim umziehen. Hilfe wird gebraucht, um vielseitige Formulare vom Jobcenter oder der Ausländerbehörde korrekt auszufüllen, Post vom Stromversorger, Briefe aus der Schule oder Werbung für Versicherungen richtig zu verstehen und zu beantworten. Einkaufshilfe wird gern angenommen, ebenso der Beistand bei Arztgesprächen oder Ämtern.

Wenn Bernd Birkholz im Gemeindebüro drei Mal in der Woche an seinem Schreibtisch sitzt und Flüchtlinge sowie Helfer gleichermaßen berät, wird seine Wunschliste immer länger. Die eigentlich schon geschlossene Kleiderkammer im Robinienhof soll wieder eröffnet werden, für eine wohnungssuchende sechsköpfige Familie wurden schon Möbel gesammelt und gelagert, die meisten gespendeten Fahrräder sind nach dem Befahren durch mittlerweile mehr als 50 Bewohner in den Jahren nur noch zum kleinsten Teil nutzbar, und die jungen Männer sagen selbst, dass sie lieber arbeiten würden als immer nur zu essen und schlafen. Einige von ihnen haben eine Arbeitserlaubnis, andere würden auch Nachbarschaftshilfe übernehmen, wenn sie nur Beschäftigung hätten. „Dringend suchen wir beispielsweise jemanden, der Lust hat, mit einigen Bewohnern ein oder zwei Mal in der Woche für einige Stunden im Garten auf dem Gelände zu arbeiten“, sagt Bernd Birkholz. Auch wünschen er und die anderen Helfer sich jemanden, der oder die Fahrräder reparieren und diese Fertigkeit weiter vermitteln kann. „Wir könnten dafür sogar eine kleine Werkstatt vor Ort einrichten“, betont der Hartenholmer.

Wer selbst keine Zeit als Helfer aufwenden kann, ist als Spender höchst willkommen. Denn häufig genug fehlt es an dem notwendigen Geld, um Wünsche zu erfüllen. Ein junger Nigerianer beispielsweise hatte nach seiner Ankunft in Boostedt angefangen, dort Fußball zu spielen. Da ihm die Kameraden ans Herz gewachsen sind, fährt er zurzeit einmal in der Woche mit einem defekten Rad abends zum Training die 18 Kilometer hin und zurück. Und spielt dort in geliehenen Schuhen, denn für eigene Fußballschuhe reicht das Geld für den Lebensunterhalt nicht. „Die Helfer zahlen schon genug aus der eigenen Tasche für ihr Engagement“, versichert Bernd Birkholz. Deshalb wäre es großartig, wenn Spenden eingehen würden, damit die Integrationsarbeit gelingen und gleichzeitig auch Spaß machen kann.

Spendenkonto: Amt Kaltenkirchen-Land, DE53 2305 1030 0000 2266 02, Stichwort Flüchtlinge Hartenholm.