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Kitzretter sind echte Alltagshelden


Der Hartenholmer Jäger und Feuerwehrmann Frank Zabel hat mit seinen Kollegen von der Wildtierrettung Segeberger Heide in diesem Frühjahr zusammen mit vielen Helfern (hier Jäger Martin Brüll aus Hartenholm) schon 99 Rehkitze vor den Mähmaschinen gerettet. Foto: Privat


Frühmorgens auf einer zum Mähen vorgesehenen großen Wiese. Die Stille nach der Morgendämmerung wird durch vielstimmigen Vogelgesang durchbrochen. Das saftige Grün auf der Weide ist zur ersten Mahd vorgesehen, denn Milchkühe werden nur noch selten auf die Weide gelassen, sondern immer mehr ganzjährig im Stall gehalten und mit dem Heu gefüttert. Das hat speziell im Mai seine Tücken, denn ab Mitte des Monats beginnt die Brut- und Setzzeit des Wildes. In diesen Wochen leben unter anderem Kitze gefährlich. Während die Ricke unterwegs ist, um sich mit Pflanzen und Kräutern so zu ernähren, dass sie ihren Nachwuchs gut säugen kann, liegt der Nestling vermeintlich geschützt im hohen Gras. Bei Gefahr machen sich die Jungtiere klein und rühren sich nicht. Selbst dann, wenn das Dröhnen einer Mähmaschine zu hören ist. Die Kitze verharren und wagen nicht, davonzulaufen. Viele von ihnen werden von den Maschinen getötet.

Olaf Weddern, Sebastian Grieser, Hinnerk Bellmann und der Hartenholmer Frank Zabel wollen dies verhindern. Sie gründeten die Wildtierrettung Segeberger Heide. Mit mittlerweile zwei jeweils 10 000 Euro teuren Suchgeräten sind die Mitglieder zweier Teams im dritten Jahr als Retter von Wildtieren unterwegs. Mit Hilfe dieser Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, spüren sie die Kitze auf, sammeln sie ein und legen sie in einer Kiste außerhalb der Gefahrenzone ab. Für viele Naturfreunde sind die Ehrenamtlichen damit zu echten Alltagshelden geworden. 70 Mal waren sie allein im vergangenen Jahr frühmorgens zum Einsatz unterwegs.

Jäger, Landwirte und Tierfreunde sind es, die sich zu diesen Hilfsmaßnahmen entschlossen haben, um wie sie selbst sagen, ein „Massaker“ in jedem Frühjahr zu verhindern. Ende Mai bei gleich drei Einsätzen im Stellbrookmoor, in Großenaspe und Kummerfeld wurden bereits ab 3.30 bis 12 Uhr insgesamt 101 Hektar Grünfläche abgesucht. Ein neuer Rekord! Als Helfer dabei war auf 16 Hektar auch der Hartenholmer Martin Brüll, der gleich ein Erfolgserlebnis feiern konnte. Eines von den 16 geretteten Kitzen hatte er gefunden. Mit Handschuhen ausgestattet und mit viel Gras in der dunklen Kiste und in den Händen wurde das Kitz von ihm aufgenommen und in Sicherheit gebracht. Nach Beendigung der Aktion werden die Kleinen wieder ausgesetzt und von ihren Müttern problemlos aufgespürt.

Ihre Tätigkeit können die Helfer nur bei trockenem und windarmem Wetter durchführen. Auf einem Monitor werden dem Drohnenpiloten Wärme-Punkte angezeigt, zu denen er die Helfer dirigiert. Manchmal sind es lediglich Maulwurfshügel, oft aber die versteckten Kitze. Klar ist den Wildtierrettern, dass sie nicht alle Kitze retten können, denn mit einer Drohne im gesamten Kreis Segeberg können sie natürlich nicht alle Wiesen, auf denen Gras gemäht werden soll, absuchen. Der hohe Preis des Gerätes ist aus Spenden finanziert. Dafür kann der Verein auch Spendenbescheinigungen ausstellen, denn natürlich würde er gern eine weitere Drohne mit Infrarotkamera anschaffen. Und auch weitere Helfer sind willkommen, denn fast alle Ehrenamtlichen sind berufstätig und deshalb nicht immer und überall einsatzbereit.

„Wir arbeiten täglich mit bis zu zwei Teams und allein in diesem Frühjahr haben wir Stand heute 99 Kitze sowie diverse Hasen und Gelege von Fasanen und Enten gesichert“, betont Frank Zabel. Für die Jäger unter den Teammitgliedern bedeutet ihr Einsatz einen wichtigen Teil ihrer Arbeit in Flur und Wald. Sie eifern einem Text von Oskar von Riesenthal nach. Der Förster und Jagdschriftsteller hatte im 19. Jahrhundert in einem Gedicht geschrieben: „Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild“. 1880 erschien dieses in von Riesenthals Buch „Waidmannsheil“ und gilt heute noch als das Leitthema vieler Jäger.

Wer mehr über die Kitzretter der Segeberger Heide erfahren möchte, kann mehr in den sozialen Medien finden oder sich unter youtube.be/_SedkVnXrCA einen Film über deren Arbeit ansehen.