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Gedenken am Volkstrauertag


Foto: Petersen-Lund


Traditionell wird seit 1922 am Volkstrauertag in ganz Deutschland der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Am 18. November fand die alljährliche Gedenkfeier in der Emmaus-Kirche Hartenholm statt. Zu dem Gedenkgottesdienst mit anschließender Kranzniederlegung hatten sich viele Hartenholmer versammelt, um den Gefallenen ihre Ehre zu erweisen

Zum 100. Jahrestag der Beendigung des 1. Weltkrieges im Jahr 1918 versteht sich dieser Tag mehr denn je als Mahnung an die heutige Generation aus der Geschichte zu lernen. „Die Welt befindet sich im Krieg. Mit diesem Gottesdienst teilen wir das zurückliegende, aber auch das aktuelle Leid“, sagte Pastorin Manuela Zschaubitz in ihrer Andacht. „Dies soll ein Gottesdienst in Gedanken an die Opfer von Krieg und Terror, aber auch ein Gottesdienst für den Frieden sein“, so der fromme Wunsch der Pastorin, die in Zeiten großer Angst und Bedrohung an den Zusammenhalt und die Menschlichkeit appellierte. Damals wie heute steht immer noch der Mensch selbst im Mittelpunkt seines Handelns und am Ende, das zeigt auch die Geschichte, erzeugt „Gewalt immer nur Gegengewalt“

Nach dem Gottesdienst hielten Pastorin Zschaubitz und Bürgermeister Karl-Heinz Panten eine Gedenkansprache und legten im Anschluss zweier emotionaler wie auch appellierender Reden gemeinsam mit der Feuerwehr an den beiden Kriegsdenkmälern einen Kranz nieder - Blumen als Ehrung, Mahnung und Aufruf zur Gestaltung einer friedvollen Zukunft zugleich. Als musikalische Untermalung spielte der Feuerwehrmusikzug Hartenholm und lud mit leisen Tönen dazu ein, einen Moment inne zu halten.

Die Reden zum Volkstrauertag 2018


Der Erste Weltkrieg endete 1918 nach vier Jahren genau vor 100 Jahren. Es gab 40 kriegsführende Länder, 70 Millionen Soldaten, 17 Millionen Tote.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vergangene Woche bei den Gedenkfeiern zum Ende des Ersten Weltkriegs vor einem Rückfall in den Nationalismus gewarnt und zur friedlichen Lösung der zurzeit 222 aktuellen militärischen Konflikten in aller Welt aufgerufen. Wohin nationale Selbstherrlichkeit und militärische Überheblichkeit führen können, habe der Erste Weltkrieg gezeigt, sagte Frau Merkel in Paris. Gerade deshalb sei sie in tiefer Sorge, dass sich wieder nationales Scheuklappendenken ausbreitet.

Viel gelernt haben die Staaten nach 1918 nicht. Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 war der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte des 20. Jahrhunderts und stellt bislang den größten militärischen Konflikt in der Geschichte der Menschheit dar. Mehr als 60 Staaten waren am Krieg beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen standen unter Waffen. Die Zahl der Kriegstoten liegt zwischen 60 und 70 Millionen, der größte Teil davon allein in Russland Massenmorde an mehr als 6 Millionen Menschen jüdischen Glaubens aus mehr als 15 Ländern.

Das sind unvorstellbare Zahlen, die aber keinerlei Abschreckung oder gar Besinnung zeigten, denn seit 1945 kam es weltweit immer und immer wieder zu weiteren Kriegen und kriegerischen Auseinandersetzungen, Vertreibungen und Völkermorden unter anderem in Korea, Kambodscha, Vietnam, Nordirland, dem Nahen Osten, in den arabischen Ländern, im ehemaligen Jugoslawien, in zahlreichen afrikanischen Staaten, in der Ukraine, Syrien und im Jemen.

Die Auswirkungen an Vertriebenen und Flüchtlingen wurden häufig in Deutschland gespürt. Bis zu 14 Millionen Menschen mussten ab 1945 ihre Heimat verlassen. Es war die größte Völkerwanderung seit der Antike. Und doch waren die deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen, wie Historiker Michael Schwartz schrieb, nur ein, wenn auch der umfangreichste, Teil der größten Völkerverschiebung aller Zeiten. Vor, im und nach dem Zweiten Weltkrieg verloren insgesamt bis zu 60 Millionen Menschen in Europa ihre Heimat. In den folgenden Jahrzehnten kamen immer wieder Flüchtlinge und Vertriebene nach Deutschland, um Schutz und Hilfe zu suchen. Menschen aus Vietnam, aus Bosnien und Albanien, aus dem Libanon, dem Irak oder aus Syrien machten sich auf nach Zentraleuropa und Deutschland. Nicht immer wurden sie mit offenen Armen empfangen und stießen oft auch auf offene Ablehnung.

Flammen loderten aus Flüchtlingswohnungen, Gaffer johlen und applaudieren den Neonazis - eine Schande für Deutschland. Im August 1992 konnte ein rechter Mob in Rostock nahezu ungestört Ausländer attackieren. Das schrieb der Spiegel danach in einer Reportage von den Ereignissen in Rostock-Lichtenhagen.

Menschenverachtender Hass wiederholte sich leider auch in Schleswig-Holstein, in Mölln und Lübeck. Allein dort starben zehn Menschen, darunter sieben Kinder. Gruppen gründeten sich, um ausländische Mitbürger zu jagen und auch zu töten wie der Nationalistische Untergrund NSU mit neun Morden. Aus verblendeter religiöser Ideologie flogen Attentäter in Bürotürme und töteten Tausende, sprengten sich Terroristen selbst in die Luft, um möglichst viele Unbeteiligte mitzureißen oder rasten mit Autos/LKWs in Menschenmengen. Kaum ein Land, das nicht betroffen war und ist. Die Menge an Bosheit und Dummheit der Menschen scheint immer etwa gleich groß bleiben zu müssen, lautet ein Zitat von Prof. Kohlmayer aus Mainz.

Was können wir tun? Was müssen wir tun auf unserer auf der untersten Ebene: Zumindest aus der Geschichte lernen. Unsere Kinder und Jugendliche zu Toleranz erziehen, ihnen Geschichte und die Auswirkungen erklären. Sich einsetzen für die Würde jedes einzelnen Menschen ohne Blick auf Glauben, Hautfarbe oder sexuelle Ausrichtung. Wissen, dass alle Menschen nicht nur die gleichen, sondern dieselben Bedürfnisse haben, wie wir alle!!! Mitgefühl für verfolgte und bedrängte Menschen umsetzen in konkrete Taten.

Nur wenn die Menschen, die ihr Leben ließen bei Kriegen, Vertreibungen, Flucht und Gewaltherrschaft, nicht vergessen werden, ist es möglich, die Zukunft menschlicher zu gestalten. Wir denken heute an diese Männer, Frauen und Kinder und ganz besonders an die aus Hartenholm stammenden Gestorbenen des ersten Weltkriegs, deren Namen uns teilweise sehr vertraut klingen.


Das Jahr 2018 steht im Zeichen zweier Kriege. Es steht im Zeichen der Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück sowie des Kriegsendes vor 100 Jahren. Das Jahr 2018 steht aber auch im Zeichen der Angst vor Krieg, Terror und Gewalt. Die Medien sind voll von Schreckensnachrichten, von Bildern, die uns das Blut in den Adern gefrieren lassen, von Elend und Hoffnungslosigkeit. Ein dauerhafter und gerechter Friede braucht Offenheit und Vertrauen. Wir dürfen die Augen vor den Problemen unserer Zeit nicht verschließen. Wir dürfen unsere Vergangenheit nicht tabuisieren. Aus den Fehlern dieser Zeiten gilt es zu lernen, es gilt die Ursachen von Kriegen zu erforschen und zu verstehen. Es geht darum Schuld zu benennen und Schuld einzugestehen, statt die Vergangenheit und die Mitschuld an entstandenem Leid zu verdrängen.

Zurückblicken und in die Zukunft schauen; Bilanz ziehen und Verantwortung übernehmen; Abrechnen und einen Schluss-Strich ziehen; das macht man am Ende eines Jahres.

Am Ende eines Kirchenjahres nicht! Kann man denn einen Schluss-Strich ziehen unter die Vergangenheit? Kann man denn einfach eine neue Zukunft ausrufen? Am Ende des Kirchenjahres werden wir gewarnt vor all zu schnellem Weitergehen. Den Schluss-Strich, den zieht ein anderer! „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“

Wir rufen, nein, wir sehnen uns nach Frieden, nicht nur in dieser Gedenkstunde. Gerade in diesen Tagen, an denen wir an zurückliegende Kriege denken: 100 Jahre – Ende des Ersten Weltkriegs, 73 Jahre 2. Weltkrieg. Diese Kriege sind vergangen. Nicht aber die Gewalt, die Menschen anderen Menschen zufügen. Am Ehrenmal sind die Namen der Toten noch zu lesen. Es gibt – 100 Jahre danach – wohl niemanden mehr, der sie persönlich gekannt hat. Wer als junger Mensch 1914 in diesen 1.Weltkrieg gezogen ist, wäre heute weit über 100 Jahre alt. Auch die Kinder der „gefallenen“ Soldaten, sind – wenn sie nicht über 100 Jahre alt sind – ebenfalls schon tot. Wenn deren Kinder nicht im Zweiten Weltkrieg getötet wurden, dann sind die Enkel, Urenkel und Ururenkel heute hier: Sie tragen den gleichen Namen, wie diese dort am Ehrenmal. Eine letzte Verbindung, die an die Toten erinnert. Mit jedem weiteren Jahr rücken sie ins Vergessen, werden sie zu Toten der Geschichte.

In den Geschichtsbüchern erfahren wir nur die Zahlen, die nicht annähernd das Grauen des Krieges beschreiben können: 15 Millionen Menschen wurden in vier Jahren Krieg getötet. 20 Millionen nahmen schweren körperlichen Schaden. Die seelischen Schäden lassen sich nicht zählen. Die Opfer der Kriegsfolgen, der Hungersnöte und Seuchen sind nicht mitgezählt. Dieser Krieg von 1914 bis 1918 gilt immer noch als die „Urkatastrophe“, als der „Große Krieg“. Die neue Art, Krieg zu führen, war von einer bis dahin ungekannten Brutalität: neu waren Maschinengewehre, Panzer und Granaten, unendliches Artilleriefeuer. Und das Ende des Ersten Weltkriegs war nicht das Ende der Kriege auf der Welt. Unzählige Kriege und Rebellionen auf der ganzen Welt folgten bis heute. Nur immer wieder zu bestimmten Jahrestagen erinnern wir uns an all diese Kriege, bedenken sie und trauern.

Wer die Gedenktage und das Grauen des Kriegs an sich heranlässt, der kann das eigentlich nicht aushalten: diese entsetzliche Wiederholung der Geschichte in den vielen Kriegen heute auf der Welt. Wer solche Gedenktage, Volkstrauertage begeht, den muss es hin und her reißen zwischen den Stimmen, die sagen: „Ich will es nicht mehr hören, das ist zu viel.“ Und den anderen, die zu recht mahnen: „Es ist wichtig, nicht zu vergessen. Wir könnten das alles nicht aushalten, wenn es nicht einen gäbe, der all das sieht und hört und sagt:

Ich kenne deine Bedrängnis. Fürchte dich nicht. Halte dich fest an mir. Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben.

Auszuhalten ist das nicht. Aber festhalten wollen wir uns – mitten in der Furcht und der Wut und der Ohnmacht treu zu sein dem, der uns treu ist und der uns hält und von ihm lernen Gewalt nicht mit Gewalt zu begegnen, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Nicht eine Haltung von „Wie Du mir so ich dir!“ ist der erste Schritt zu einem friedvollem Miteinander, sondern der Mantel der Vergebung; Nachsicht; Offenheit für den Anderen; Kommunikation und Kompromisse, zuhören statt anklagen, Hände reichen statt Waffen ausrichten. So kann Friede werden. AMEN